Kurze Geschichte der Monumenta Germaniae Historica (MGH)


„Die heilige Liebe zum Vaterland verleiht den Geist“

Unter diesem Sinnspruch gründete 1819 Reichsfreiherr Karl vom Stein mit zehn Mitstreitern die „Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde" als einen Verein „zur Herstellung der Gesamt-Ausgabe der Quellen-Schriftsteller deutscher Geschichten des Mittelalters“. 1875 formierten die Wissenschaftler Pertz, erster Präsident der MGH, Mommsen, Waitz, Stumpf, Sickel, Giesebrecht, Hegel und Euler erstmals eine Zentraldirektion mit Sitz in Berlin. Diese wurde 1935 im Zuge der Umwandlung der Monumenta Germaniae Historica in ein „Reichsinstitut für ältere deutsche Geschichtskunde" überführt und 1945 durch Vertreter aller deutschen Akademien und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften wiederhergestellt, ergänzt durch persönliche Mitglieder aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Viele renommierte Historikerinnen und Historiker engagierten und engagieren sich für die Edition mittelalterlicher Quellen zur deutschen Geschichte. Seit 1949 haben die MGH ihren Sitz in München; die jetzigen Räume im Gebäude der Bayerischen Staatsbibliothek wurden 1967 bezogen.

Seit 1963 Körperschaft des öffentlichen Rechts

Seit 1963 sind die MGH eine gemeinnützige Körperschaft des öffentlichen Rechts. Sie unterstehen der Rechtsaufsicht des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Die MGH arbeiten mit allen Akademien des deutschsprachigen Raumes (Berlin, Düsseldorf, Göttingen, Heidelberg, Leipzig, Mainz, München, Wien und der Geschichtsforschenden Gesellschaft der Schweiz) zusammen und unterhalten mehrere Arbeitsstellen.

Aufgaben im 21. Jahrhundert

Die Aufgaben der Monumenta Germaniae Historica haben sich in den letzten Jahrzehnten durch die Einbeziehung neuer Quellengruppen und durch die Vermehrung der Forschungsbereiche stetig erweitert. Neben Werken der Geschichtsschreibung, Urkunden, Gesetzen und Rechtsbüchern werden auch Briefsammlungen, Dichtungen, Memorialbücher und Necrologe, politische Traktate und Schriften zur Geistesgeschichte herausgegeben. In der Zeitschrift des Instituts, dem „Deutschen Archiv für Erforschung des Mittelalters", werden die editorischen Arbeiten durch quellenkritische Untersuchungen vorbereitet und ausgewertet; die Zeitschrift berichtet außerdem laufend über Arbeitsergebnisse der internationalen Mittelalterforschung.

Weltgrößte Spezialbibliothek zur mittelalterlichen Geschichte

Die Fachbibliothek der MGH geht zurück auf den Münchner Mittellateiner Ludwig Traube (gest. 1907), dessen Bibliothek dem Deutschen Reich unter der Bedingung übergeben wurde, dass sie der Gesellschaft für Ältere Deutsche Geschichtskunde für die Erarbeitung von Editionen zur Verfügung steht. Diese paläographisch-handschriftenkundliche Sammlung wurde im Jahre 1911 ideal ergänzt durch die Bibliothek des langjährigen Leiters der Scriptores-Abteilung, Oswald Holder-Egger. Die Bibliothek befand sich bis 1944 in Berlin, wurde während des Krieges in das Schloss Pommersfelden bei Forchheim ausgelagert und 1949 in München aufgestellt.

Die Bibliothek bietet 150.000 Bände in Freihandaufstellung, darunter zwei mittelalterliche und 19 neuzeitliche Handschriften, 90 Fragmente mittelalterlicher Handschriften, acht Inkunabeln, 106 Postinkunabeln; ca. 3000 Reproduktionen von mittelalterlichen Handschriften (Filme, Filmabzüge, Fotoplatten) und 205 laufende Zeitschriften. Ein Lesesaal mit 34 Plätzen und 2500 Bänden ermöglicht Forschenden die Arbeit vor Ort. Der Bibliotheksbestand ist durch ein eigenes Informationssystem erschlossen.

Archivalien aus 200 Jahren Geschichte der MGH

Das Archiv der MGH besteht im Kern aus den Arbeitsmaterialien der „Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde“, die anfangs in der Wohnung von Johann Friedrich Böhmer in Frankfurt, dann in der von Georg Heinrich Pertz, dem ersten MGH-Präsidenten, in Berlin aufbewahrt wurden. Pertz überführte die Dokumente nach seiner Ernennung zum Bibliotheksdirektor in das Gebäude der Königlichen Bibliothek Berlin. 1874 wurden die Arbeitsmaterialien von Richard Lepsius, seinem Nachfolger als Bibliotheksdirektor, Georg Waitz, seinem Nachfolger als Präsident der MGH und Akademiepräsident Theodor Mommsen übernommen. Ein verheerender Brand in Mommsens Arbeitszimmer im Juli 1880 veranlasste die Gesellschaft, für besonders wertvolle Materialien und Handschriften einen Panzerschrank anzuschaffen, der im Arbeitszimmer der Privatwohnung von Waitz aufgestellt wurde. Beim Tod von Waitz 1886 waren die Monumenta bereits in die Räume der Königlichen Bibliothek umgezogen. Dort wurden die Archivalien bis 1943 aufbewahrt.

Schicksal der Archivalien im Zweiten Weltkrieg und nach der deutschen Teilung

Während die Bibliothek der MGH in das Schloss Pommersfelden verlegt wurde, blieben die Arbeitsmaterialien zunächst in Berlin. 1943 wurden 30 Kisten in die Harz-Region ausgelagert. Von diesen gingen acht verloren. 22 Kisten wurden im August 1947 in Blankenburg aufgefunden (vgl. MGH-Archiv B 719) und 1948 in das Archiv der Akademie der Wissenschaften der DDR (Kern des heutigen Archivbestandes A) überführt. Bis 1992 befand sich dieser Bestand in der Obhut der Akademie der Wissenschaften der DDR, die sich um Neuordnung und Verzeichnung bemühte.

Der größte Teil der Geschäftsakten aus der Zeit von 1829 bis 1935 überstand den Krieg in einem Keller der Berliner Universität. Er wurde im Januar 1946 in das Geheime Staatsarchiv nach Berlin-Dahlem überführt, wo damals eine provisorische Berliner Arbeitsstelle der MGH eingerichtet worden war. Als diese Arbeitsstelle an die Berliner Akademie in den Ostteil der Stadt verlagert wurde, zog ein Teil der Akten mit um. Er ist heute dem Bestand A beigefügt. Der größere Teil wurde wegen der politischen Spannungen im Westen einbehalten und als Repositorium 338 des Geheimen Staatsarchivs geführt und dort in einem Findbuch erschlossen. Es handelte sich der Rechtsform nach um ein Depositum der MGH.

In Pommersfelden und später in München verwahrten die neu organisierten MGH zunächst nur die neu angefallenen Akten und die ihnen nach 1945 übergebenen Materialien. Dieser Bestand, der durch einfache Nummern gezählt wurde, trägt heute die Kennzeichnung B. Das West-Berliner Depositum (338) wurde 1975 zurückgefordert, das Ost-Berliner (A) durch Vertrag 1992 mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften an die MGH abgetreten.