Freitag, 26. und Samstag, 27. Juni fand das Colloquium anlässlich des 100. Geburtstags von Horst Fuhrmann (1926–2011) statt. Wider alle Schwierigkeiten – seien es Hitze, Christopher Street Day vor der Türe oder die Bahn – war der Lesesaal der MGH voll und die Aufmerksamkeit groß. Auch die Möglichkeit der Teilnahme über Zoom wurde dankbar angenommen, wie die Mail von Wolf-Dieter Runge im Anschluss an die Veranstaltung zeigte: „Sehr herzlich möchte ich mich für die Möglichkeit der Online-Teilnahme am Colloquium zu Ehren von Horst Fuhrmann bedanken. Es bestätigte in erfrischender Weise die Aktualität seiner Forschungsansätze und deren Anwendbarkeit auch weit über das Mittelalter hinaus, insbesondere für die Dialogkultur unserer künftigen Gesellschaft.“
Im Abendvortrag zeichnete Prof. Dr. Claudia Märtl, Schülerin Horst Fuhrmanns, ein so eindrückliches Bild des Mediävisten, dass nicht nur die ehemaligen Wegbegleiter/-innen sich mit leuchtenden Augen erinnerten, sondern auch die jüngeren Teilnehmer/-innen des Colloquiums Fuhrmanns Leidenschaft für das Mittelalter und seine Begeisterungsfähigkeit erahnen konnten. Mit großer Freude konnte anschließend MGH-Präsidentin Prof. Dr. Dr. h.c. Martina Hartmann die Freiherr vom Stein-Medaille der MGH an Prof. Dr. Dr. h.c. Benjamin Z. Kedar überreichen, der aus Israel angereist war.
Am Samstagvormittag stieg Prof. Dr. Karl Ubl unter dem Titel „Eine Fälschung im Spiegel der Handschriften. Horst Fuhrmann und die Konstantinische Schenkung“ tiefer in Fuhrmanns wissenschaftliche Vorgehensweise anhand seiner Edition des Constitutum Constantini ein. Prof. Dr. Arno Mentzel-Reuters ging dem hindernisreichen Weg Fuhrmanns zur MGH-Präsidentschaft nach, der als geschickter Netzwerker großen Einfluss in der Wissenschaftslandschaft gewann, und zeigte mit seinem Vortrag einmal mehr, welcher Reichtum an Informationen im MGH-Archiv steckt. Prof. Dr. Dr. h.c. Martina Hartmann, selbst ab 1989 Mitarbeiterin von Horst Fuhrmann, hielt einen Vortrag über sein Buch über die Mitarbeiter der MGH, das Fuhrmann nach seiner Zeit als MGH-Präsident geschrieben hatte. Als junge Mitarbeiterin hatte Hartmann wie ihre Kollegen gegen das Anliegen Fuhrmanns „gemauert“, biografische Forschung über ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu betreiben und beschloss ihren an Erinnerungen reichen Vortrag daher mit der Vermutung, „es würde Horst Fuhrmann freuen, wenn er wüsste, dass die Monumentisten sich doch noch intensiv der Erforschung der Institutsgeschichte gewidmet haben“. Neben dem Eindruck einer wirkungsmächtigen Forscherpersönlichkeit hinterließen die persönlichen Erinnerungen das eine oder andere Lächeln auf den Gesichtern, so auch bei der Tochter und dem Sohn Horst Fuhrmanns, die ebenfalls an dem Colloquium teilnahmen.
Die Beiträge werden in der MGH-Reihe Studien und Texte erscheinen.